Veranstaltung

Medienreflexion und reflexive Medialität. Kinder- und Jugendliteratur in der Medienkonkurrenz

22. Februar 2024 - 23. Februar 2024

Im Rahmen des Workshops werden wir uns mit der Frage befassen, wie die Literatur des 20. und 21. Jahrhunderts – konkret: die Kinder- und Jugendliteratur dieser Zeit – einerseits den medialen Wandel und das ‚Eindringen‘ neuartiger Medien in den Wirkungsbereich des Buches reflektiert, andererseits wie auch die ‚eigene‘ Medialität – die Buchförmigkeit von Literatur – reflektiert wird. Die Literatur des 20. und 21. Jahrhunderts ist nach unserer Einschätzung für eine solche Fragestellung deshalb besonders geeignet, weil mediale Reflexionen in literarischen Texten seit dem Beginn des Medienwandels um 1900 und im Zuge der damit einhergehenden Marginalisierung des Mediums Buch stark zugenommen haben. Die anhaltenden Krisendiskurse der letzten 120 Jahre, die immer wieder den Untergang des Buches prognostizierten, scheinen eine Art von ‚Selbstbehauptungsreflex‘ provoziert zu haben. Im Zuge dessen reflektiert Literatur nicht nur zunehmend den Status konkurrierender – v. a. audio-visueller und digitaler – Medien, sondern auch den eigenen Stellenwert und den seines tradierten Mediums, dem Buch. Die Literatur des 20. und 21. Jahrhunderts ist diesbezüglich ausgesprochen reaktionär und in dieser Reaktivität überaus konkret, wodurch sie sich als Forschungsgegenstand besonders anbietet. Auffällig ist ebenfalls die Genese von bibliophilen ‚Gegenströmungen‘, die die Ästhetik des Buches – also des Materiellen, der Seite usw. – im Kontrast zur Flüchtigkeit des Digitalen hervorheben und dabei in Form von ‚Bücher-Blogs‘ und ähnlichem in den digitalen Raum übergreifen.

 

Im Workshop möchten wir unter anderem folgende Fragen diskutieren:

 

- Welche Funktionspotenziale sind mit motivischen Medienreflexionen verbunden?

- Welche Medien werden vordergründig reflektiert und inwiefern unterscheiden sich diese Reflexionen eventuell?

- Wie stellt sich das Verhältnis zwischen Ablehnung/Abgrenzung und Sympathie/Annährung in Bezug auf Reflexionen der ‚neuen‘ Medien dar (kritische Reflexion vs. ‚Schulterschluss‘)?

- Inwiefern dienen Medienreflexionen in Kinder- und Jugendliteratur dem Erwerb einer allgemeinen Medienkompetenz?

- Wie wird die reflexive Medialität in der Kinder- und Jugendliteratur des 20. und 21. Jahrhunderts konkret funktionalisiert?

- Gibt es in der Kinder- und Jugendliteratur eine ‚spezifische‘ Form reflexiver Medialität im Gegensatz z.B. zur ‚Erwachsenenliteratur‘?

- Welche Rolle spielt der Aspekt der Partizipation bei reflexiver Medialität in Kinder- und Jugendliteratur?

- Verändern sich die Verfahren der motivischen Medienreflexion und reflexiven Medialität mit Einsetzen der digitalen Wende um 2000?

- Zeichnen sich bei der motivischen Medienreflexion historische Schwerpunkte ab? (z.B. hinsichtlich der fokussierten Medien oder der Art und Weise der Reflexion)

 

Die Vortragenden stammen aus unterschiedlichen literatur- und medienwissenschaftlichen Fachbereichen (v.a. Germanistik, Amerikanistik, Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaften, Buch- und Medienwissenschaft). Es geht folglich auch um den interdisziplinären Austausch über einen fächerübergreifenden, bislang wissenschaftlich womöglich wenig beachteten Themenkomplex, der die ‚klassische‘, gedruckte Literatur mit aktuellen medialen Tendenzen engführt und im Zuge dessen wechselseitige Beziehungen und Einflüsse aufdeckt.

Zeitraum
22. Februar 2024 - 23. Februar 2024 | 10:00 Uhr - 14:00 Uhr
Sprache
Deutsch
Veranstaltungsort
Hanse-Wissenschaftskolleg
Lehmkuhlenbusch 4
27753 Delmenhorst
Hörsaal
Barrierefreiheit
barrierefrei
Organisatoren
JProf. Dr. Thomas Boyken, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Art der Veranstaltung
Workshop
Downloads
Programm | pdf, 382 KB