Öffentliche Veranstaltung

Künstliche Intelligenz und Demokratie: Wenden sich die neuen Technologien gegen die offene Gesellschaft?

14. Juni 2021

Prof. Dr. Dr. Roland Benedikter, Center of Advanced Studies EURAC, Bozen

Prof. Dr. Dr. Roland Benedikter
Prof. Dr. Dr. Roland Benedikter
Zeitraum
14. Juni 2021 | 19:30 Uhr
Sprache
Deutsch
Veranstaltungsort
Online-Veranstaltung mit Teilnahme ohne Anmeldung auf https://hanse-ias.de/digital

Barrierefreiheit
nicht barrierefrei
Organisatoren
Bijan Kafi, Hanse-Wissenschaftskolleg
Art der Veranstaltung
Öffentlicher Vortrag
Weitere Instruktionen
Keine Anmeldung notwendig

Weitere Informationen

Viele stellen sich heute unter dem Stichwort "Algokratie" die Frage, ob sich mit der Ära der Künstlichen Intelligenz (KI) eine technoide Utopie öffnet, die Demokratie unterminieren kann. Vor allem die aufstrebenden Autokratien der Welt erwarten, dass KI wegen ihrer linear-exponentiellen Logik, wegen der zu ihrer Anwendung nötigen Massendatenerhebung sowie wegen ihrer auf Geschwindigkeit beruhenden Verarbeitungs- und Lerneigenschaften im Grundansatz gegen Demokratie wirkt, weil, wie es Chinas Präsident Xi Jinping und US-Präsident Joe Biden ausdrückten, KI keine langwierigen Diskussions- oder Konsensprozesse kennt und sich Demokratien wegen Datenschutz und Meinungsdialog als "zu langsam" erweisen.

Die Erwartung, dass KI immer mehr Entscheidungsprozesse beeinflussen wird, ohne dass Diskussion möglich ist, weil die Daten selbst Realität sowohl abbilden wie erzeugen, und dass sich KI dabei von der Ebene der Entscheidungsvorbereitung immer mehr ins Zentrum der Entscheidungen vorarbeiten wird, ist das eine; die Vision, dass damit auch ein universaler Kontroll- und Überwachungsstaat möglich wird, das andere. Dabei ist die Möglichkeit einer technologischen "Superintelligenz" (Singularität) noch gar nicht einbezogen, ebensowenig wie militärische Anwendungen.

Der Vortrag zeigt am Beispiel Chinas, das bereits heute die KI-Vision einer autoritären Gesellschaft verwirklicht und diese technologische Dystopie in die Welt exportiert, sowie anhand anderer Beispiele wie neuer "mind control" Technologien (Brain-Brain Interfaces), welche Aspekte sich mit der Entwicklung und konkreten Implementierung von KI in immer mehr Lebensbereiche gesellschaftspolitisch eröffnen. Dabei werden positive und negative Aspekte gegeneinander aufgewogen. Es geht nicht um einseitige Technologiekritik, sondern um die Findung einer mittleren, demokratieaffinen Perspektive. Praktische Ansätze dazu häufen sich.

Redner

Roland Benedikter ist Forschungsprofessor für Multidisziplinäre Politikanalyse in residence am Willy Brandt Zentrum der Universität Breslau-Wroclaw, Co-Leiter des Center for Advanced Studies von Eurac Research Bozen, Mitglied des Zukunftskreises des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) Berlin und Global Advisor des Institute for Culture and Society der Western Sydney University. Zahlreiche Publikationen zu neuen Technologien und Ethik, u.a. Mitarbeit an einem Bericht an den Club of Rome und zwei Pentagon White Papers über die Ethik neuer Humantechnologien.

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