Öffentliche Veranstaltung

Von Lügenpresse und abgehobenen Eliten: Über das Vertrauen in den Journalismus und die Demokratie

14. September 2026

Dr. Uwe Krüger, Universität Leipzig

Der Journalismus hat ein Vertrauensproblem: Nur knapp die Hälfte der Bevölkerung vertraut den Nachrichtenmedien, und viele Menschen glauben, dass sie von den Medien systematisch belogen würden oder dass die Medien und die Politik Hand in Hand arbeiten würden, um die Bevölkerungsmeinung zu manipulieren. In diesem Vortrag wird den Ursachen auf zwei Wegen nachgegangen: 1.) durch Überlegungen zum Begriff des „medialen Mainstreams“ und zur Orientierung von Leitmedien am Diskurs der Eliten aus Politik und Wirtschaft, was den Verdacht von Medienlenkung und fehlender journalistischer Unabhängigkeit hervorrufen kann, und 2.) durch Befunde aus Tiefeninterviews zu Journalismus- und Demokratievertrauen in Sachsen, einem Hotspot der Medienskepsis und der Zustimmung zum Rechtspopulismus. Hier leidet man an einem moralisch aufgeladenen Diskurs-Mainstream, der bei wichtigen Themen wie Corona, Migration, Klima oder Russland nicht die eigene Haltung wiederspiegelt und als gesteuerte Propaganda wahrgenommen wird. Und es zeigt sich, dass Misstrauen in Medien erstaunlich eng mit Misstrauen in die Politik und die Demokratie als Ganzes zusammenhängt. Schließlich werden Lösungsansätze zur Stärkung des Vertrauens diskutiert.

Zeitraum
14. September 2026 | 19:30 Uhr
Sprache
Deutsch
Veranstaltungsort
Hanse-Wissenschaftskolleg
Lehmkuhlenbusch 4
27753 Delmenhorst
Hörsaal u. ONLINE:https://hanse-ias.de/digital
Barrierefreiheit
barrierefrei
Organisatoren
Bijan Kafi, Hanse-Wissenschaftskolleg
Art der Veranstaltung
Öffentlicher Vortrag

Weitere Informationen

Der Redner

Dr. Uwe Krüger, geb. 1978, ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft der Universität Leipzig und Forschungskoordinator des dortigen Zentrums Journalismus und Demokratie (JoDem). Er forscht u.a. zu den Ursachen von Misstrauen in Medien und Demokratie sowie zu Qualität und Ethik im Journalismus. Für seine Bücher „Mainstream - Warum wir den Medien nicht mehr trauen“ und „Meinungsmacht. Der Einfluss von Eliten auf Leitmedien und Alpha-Journalisten“ erhielt er den Günter-Wallraff-Preis für Journalismuskritik der Initiative Nachrichtenaufklärung. Zuletzt erschienen: „Von Lügenpresse und abgehobenen Eliten. Journalismus- und Demokratievertrauen in Sachsen“ (2025, mit J. Kretzschmar, M. Beiler und F. Döring). Er ist Mitgründer des Netzwerks Kritische Kommunikationswissenschaft und war Mitglied des MDR-Rundfunkrats, entsandt vom Deutschen Journalisten-Verband (Landesverband Sachsen).