"Wer bin ich? Selbstbewusstsein als Schlüssel zur Selbsterkenntnis"

Selbstbewusstsein fällt nicht vom Himmel, aber wie entwickeln sich die für unser menschliches Selbstverständnis zentralen Phänomene Bewusstsein und Selbstbewusstsein?

Nach wie vor versuchen Wissenschaftler dieses Rätsel zu lösen. Im Rahmen des von der VolkswagenStiftung geförderten sechsjährigen Forschungsprojektes "Selbstbewusstsein und Begriffsbildung beim Menschen" (2003-2009) unter der Leitung von Prof. Dr. Albert Newen (Ruhr-Universität Bochum, 2002-2003 Fellow am Hanse-Wissenschaftskolleg) und in enger Kooperation mit Prof. Dr. Dr. Kai Vogeley (Universität Köln) konnten hierbei wichtige Erkenntnisfortschritte erzielt werden, die jetzt bei der Abschlusstagung im Hanse-Wissenschaftskolleg (Delmenhorst) präsentiert wurden.
Als ein bedeutsames Forschungsergebnis wurden zum einen die theoretischen und empirischen Grundlagen menschlichen Selbstbewusstseins vorgestellt. Das Forschungsprojekt verdeutliche, so Prof. Newen, dass die Wissenschaft heute in der Lage sei, die empirischen Grundlagen menschlichen Selbstbewusstseins systematisch zu erforschen; daher sei es eine viel plausiblere Annahme, dass der Mensch als biologisches Wesen eine besondere Fähigkeit besitzt, die wir Selbstbewusstsein nennen und die neurobiologisch verankert ist als z.B. Kants Transzendentalphilosophie, bei der ein unhintergehbares, nicht untersuchbares Selbstbewusstsein postuliert werde.
Zum anderen haben sich die Neurowissenschaftler, Mediziner und Geisteswissenschaftler aus Deutschland, den USA und der Schweiz mit der Frage auseinandergesetzt, welche Rolle das Gedächtnis für Selbstbewusstsein, Selbstverstehen und Selbsttäuschung spielt.
Dabei, so erklärte der Leiter des Projektes, Prof. Newen, sei der Ausgangspunkt nicht das besonders sichere Auftreten von Personen, sondern ein Bewusstsein von den eigenen Wahrnehmungen, Wünschen, Gefühlen und Überzeugungen. Nur wenn eine Person wisse, welches ihre Wünsche und Überzeugungen sind, könne sie ihre Handlungen auch "selbst"-bewusst steuern. Dabei spiele das Gedächtniss eine zentrale Rolle. Die Verbindung von Gedächtnis und Selbstverstehen sei eine neue spannende Entwicklung in der Gedächtnisforschung. Ein voll ausgeprägtes Selbstbewusstsein setze ein Erinnern an wichtige Ereignisse (episodisches Gedächtnis) und beim Menschen ein sprachbasiertes Erinnern (semantisches Gedächtnis) voraus. Eine zentrale Aufgabe sei es daher auch geworden, die neurobiologischen Grundlagen des Gedächtnisses genau zu kennen.

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